Caritas Pirckheimer, Äbtissin in St. Klara; gest. 1532, Kupferstich 7,8 x 9,8 cm, undatiert (um 1670) (StadtAN E 17/II Nr. 2181).

Caritas Pirckheimer, Äbtissin in St. Klara; gest. 1532, Kupferstich 7,8 x 9,8 cm, undatiert (um 1670) (StadtAN E 17/II Nr. 2181).

Vor 550 Jahren, am 21. März 1467 ist in Eichstätt Barbara Pirckheimer, die spätere Caritas Pirckheimer, geboren. Ihre Eltern waren Dr. Johannes Pirckheimer (gest. 1501), Jurist, Diplomat und bischöflicher Sekretär in Eichstätt, und Barbara Pirckheimer, geborene Löffelholz (gest. 1488). Über Caritas‘ Kindheit in Eichstätt und wohl auch in München – Johannes Pirckheimer war 1474 in den Dienst Herzog Albrechts IV. von Bayern (1447-1508, Herzog seit 1465) getreten – ist wenig bekannt.

Im Alter von zwölf Jahren trat Caritas 1479 in das Nürnberger Klarakloster ein. Aus ihrer frühen Klosterzeit ist der Briefwechsel überliefert, den sie zwischen 1498 und 1506 mit dem Propst der Lorenzkirche Sixtus Tucher (1459-1507) führte und der 1515 von Christoph II. Scheurl (1481-1542), einem Neffen Tuchers, in Buchform veröffentlicht wurde.

1503 wurde Caritas zur Äbtissin des Nürnberger Klaraklosters gewählt. Als gelehrte Frau – schon die „Sendbriefe“ Sixtus Tuchers zeugen von Caritas‘ hoher intellektueller Begabung – stand sie in Kontakt nicht nur mit den Predigern und Beichtvätern ihres Klosters, den Franziskanern Stephan Fridolin (um 1430-1498, Autor des „Schatzbehälters“) und Nicolaus Glasberger (um 1450-1508, Chronist des Franziskanerordens), sondern auch neben Sixtus Tucher und Christoph II. Scheurl mit Konrad Celtis (1459-1508) und vor allem mit ihrem Bruder, dem Nürnberger Ratsherrn Willibald Pirckheimer (1470-1530). All diese Kontaktpersonen zeigen Caritas inmitten im Kreis der Nürnberger Humanisten. Albrecht Dürer (1471-1528) widmete ihr 1511 die Buchausgabe seines „Marienlebens“.

Mosaik der Caritas Pirckheimer am Haus Von-Soden-Straße 27 in Nürnberg-Fischbach. Fotografie Julia Kraus 2011.

Mosaik der Caritas Pirckheimer am Haus Von-Soden-Straße 27 in Nürnberg-Fischbach. Fotografie Julia Kraus 2011 (Stadtarchiv Nürnberg A 96 Nr. 961).

Nach Einführung der Reformation in Nürnberg (1524/25) vertrat Caritas ihren altgläubigen Standpunkt besonnen, doch selbstbewusst gegenüber dem Rat der Reichsstadt und ließ sich weder durch Argumente noch durch Anfeindungen der vom Rat eingesetzten Prediger irritieren. In ihren „Denkwürdigkeiten“, die auch einen Teil ihrer Korrespondenz enthalten, berichtet sie über die bewegte Geschichte ihres Klosters in den Jahren 1524-1527. Gegen den seit dem Nürnberger Religionsgespräch (März 1525) vom Rat, dem Klosterpfleger, den vom Rat eingesetzten protestantischen Predigern und ihren eigenen Familien ausgeübten Druck, die neue Lehre anzunehmen, leisteten die Nonnen unter ihrer Äbtissin Caritas energischen Widerstand. Erst Philipp Melanchthons (1497-1560) Intervention 1525 konnte den äußeren Frieden wiederherstellen. Der Konvent, der um 1500 noch ca. 60 Nonnen zählte, durfte keine Novizinnen mehr aufnehmen und starb 1596 aus.

Caritas Pirckheimer verstarb am 19. August 1532. Ihr Grab wurde 1959 im Bereich des Klausurfriedhofs wiederentdeckt, ihre Überreste 1960 in die Klarakirche übertragen. Auf dem Areal des ehemaligen Klaraklosters wurde 1961 eine Jugendfreizeitstätte der süddeutschen Jesuiten eröffnet, die Caritas zu Ehren den Namen „Caritas-Pirckheimer-Haus“ erhielt. Seit 1971 ist in dem Gebäude auch die Akademie der Erzdiözese Bamberg beheimatet. Das Caritas-Pirckheimer-Haus ist heute ein Zentrum für die kirchliche Erwachsenenbildung und Jugendarbeit in Verbindung mit religiösen Angeboten in der „Offenen Kirche“ St. Klara.

Aufsicht auf das Nürnberger Klarakloster im sog. Braunschen Prospekt von 1608. Aus: Prospekt der Reichsstadt Nürnberg des Hieronymus Braun 1608, Reproduktion und Druck des Prospektes in 16 Blatt, hrsg. von der Stadtsparkasse Nürnberg 1985.

Aufsicht auf das Nürnberger Klarakloster im sog. Braunschen Prospekt von 1608. Aus: Prospekt der Reichsstadt Nürnberg des Hieronymus Braun 1608, Reproduktion und Druck des Prospektes in 16 Blatt, hrsg. von der Stadtsparkasse Nürnberg 1985.

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