Nachlass von Curt Heigl im Stadtarchiv Nürnberg

Gastbeitrag von Piotr Kowalewski

Gegenwärtig wird der Nachlass von Curt Heigl (Stadtarchiv Nürnberg E 10/164) im Stadtarchiv Nürnberg aufbereitet. Der spätere Direktor der Nürnberger Kunsthalle wurde 1923 in Schliersee geboren. Nach einem Studium der Kunstgeschichte und Architektur in München wurde er Mitte der 1950er Jahre zunächst Leiter des Gewerbemuseums der Bayerischen Landesgewerbeanstalt. In dieser Zeit konzipierte er unter anderem auch den Bau der Norishalle, die gegenwärtig wiederum der Sitz des Stadtarchivs ist.

Nachlass von Curt Heigl (Stadtarchiv Nürnberg E 10/164 Nr. 2)

Abgabe des Nachlasses von Curt Heigl (Stadtarchiv Nürnberg E 10/164 Nr. 2)

Als Direktor der Kunsthalle hat Curt Heigl die Kunstszene in Nürnberg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark geprägt. Er organisierte verschiedenste gut besuchte Ausstellungen (u.a. von Joan Miró, Emil Nolde, Paul Klee, Georg Baselitz) und initiierte die international renommierte „Triennale der Zeichnung“.

Dementsprechend umfangreich ist der derzeit im Stadtarchiv befindliche Nachlass: Die darin enthaltene Korrespondenz beweist ein enormes Netzwerk von Kontakten mit zeitgenössischen Künstlern und Kunstinstitutionen auf der ganzen Welt. Insgesamt hinterließ Curt Heigl eine große Sammlung von Urkunden, Büchern, Briefen und Postkarten. Fotos und kleine Kunstwerke besaß er zu Tausenden.

Eine Überraschung bei der Sichtung des Nachlasses betraf dagegen einen persönlichen Aspekt von Curt Heigls Leben. Ein kleines Kästchen beweist, dass Heigl selbst auch durch die Geschichte geprägt wurde. Man findet darin Briefe, die der junge Curt Heigl während des zweiten Weltkriegs an seine Mutter schrieb - fast jeden Sonntag ein Brief (Stadtarchiv Nürnberg E 10/164 Nr. 2). Es handelt sich hierbei um Feldpost, die sich über einen Zeitraum von ca. vier Jahren (1941 – 1945) erstreckt. Zunächst zeigen die Briefe die tägliche Realität als DAF-Arbeiter in Frankreich und Holland, später als Soldat an der Ostfront. Dabei beinhalten sie zu großen Teilen Beschreibungen alltäglicher Sorgen, Freuden und Ereignisse. Berührend ist aber vor allem die Liebe zu seiner Mutter und Großmutter, die daraus ersichtlich wird.

Die Briefe sind alle in sehr gutem Zustand und geben einen guten Einblick in das Leben eines jungen Mannes an der Front. Außerdem fügen sie eine weitere Facette zur Nürnberger Persönlichkeit Curt Heigl hinzu. Der Bestand E 10/164 kann im Stadtarchiv Nürnberg eingesehen werden.

Noch bis 2. Oktober 2018  können in der Ausstellung "Neu im Stadtarchiv" weitere interessante und vielfältige Neuzugänge aus der privaten Überlieferung im Stadtarchiv entdeckt werden.

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