Der Nürnberger Christkindlesmarkt gehört zu den berühmtesten – und sicherlich auch schönsten – Weihnachtsmärkten weltweit. Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit kommen Millionen Menschen nach Nürnberg, um diesen Weihnachtsmarkt zu sehen. Doch wie ist der Christkindlesmarkt zu dem geworden, was er heute ist?

Der Nürnberger Christkindlesmarkt. Blick über den Markt, den Schönen Brunnen, im Hintergrund die Frauenkirche (1990)

Der Nürnberger Christkindlesmarkt. Blick über den Markt, den Schönen Brunnen, im Hintergrund die Frauenkirche (1990). (Stadtarchiv Nürnberg A 55/IV Nr. 11-9-7)

Wir blicken zurück ins 16. Jahrhundert: Weihnachten steht vor der Tür und alle sind im Stress noch Weihnachtsgeschenke kaufen zu müssen – wie in der heutigen Zeit also auch. Durch die erhöhte Weihnachtskauflust hat sich dann, Ende des 16./ Anfang des 17. Jahrhunderts der Christkindlesmarkt, ursprünglich „Kindleinsmarkt“, entwickelt. Er fand bereits damals am Hauptmarkt statt.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt (A. Delsenbach, 1900)

Der Nürnberger Christkindlesmarkt (A. Delsenbach (1900). (Stadtarchiv Nürnberg A 55/IV Nr. 11-1-2)

Aufgrund zunehmenden Straßenverkehrs musste der Standort ab 1898 mehrmals gewechselt werden. Bis zur Rückverlegung auf den Hauptmarkt in der NS-Zeit war der Christkindlesmarkt unter anderem auf der Insel Schütt und in den Räumen des alten Verkehrsmuseums in der Norishalle – wo sich heute das Stadtarchiv befindet. Zu dieser Zeit entstand übrigens auch der Eröffnungsprolog des Christkinds.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt im Jahr 1938 (Postkarte)

Der Nürnberger Christkindlesmarkt im Jahr 1938 (Postkarte). (Stadtarchiv Nürnberg A 34 Nr. 4051)

Auch 1945 ließen es sich die Nürnberger nicht nehmen, ihren Christkindlesmarkt zu veranstalten. Er fand bis 1948 jedoch nicht am Hauptmarkt, sondern am Veit-Stoß-Platz in Gostenhof statt. Im Jahr 1948 gab es außerdem zum ersten Mal einen Lichterzug. Der heute nicht mehr weg zu denkende Glühwein kam auch erst in der Nachkriegszeit auf den Markt.

Diese lange Entwicklung hat den Nürnberger Christkindlesmarkt überhaupt erst zu dem gemacht, was er heute ist – und was gibt es schöneres als Abends durch die traditionellen Buden mit Christbaumschmuck, Lebkuchen oder „Zwedschgamännla“ zu bummeln? Die Tasse Glühwein oder Punsch natürlich nicht zu vergessen.

In unseren Beständen haben wir den Eröffnungsprolog des Christkindes vor 50 Jahren – damals am 3. Dezember eröffnet – gefunden, den wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchten.

 

 

Prolog zur Eröffnung des Christkindlesmarktes 1965

Der Nürnberger Christkindlesmarkt - Blick auf den Schönen Brunnen

Der Nürnberger Christkindlesmarkt - Blick auf den Schönen Brunnen (1972). (Stadtarchiv Nürnberg A 55/IV Nr. 8-20-4)

Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart,

Ihr Kleinen, am Beginn der Lebensfahrt,

Ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt:

Hört alle zu, was Euch das Christkind sagt.

 

In jedem Jahr, drei Wochen vor der Zeit,

Da man den Christbaum schmückt und sich auf’s Feiern freut,

Ersteht auf diesem Platz, der Ahn hat’s schon gekannt,

Was Ihr hier seht, Christkindlesmarkt genannt.

Es ist ein alter Brauch. Wie auch die Zeit verrann,

Und was sie immerzu an Neuem stets ersann:

Dies Städtlein in der Stadt, aus Holz und Tuch gemacht,

Der Nürnberger Christkindlesmarkt - Blick auf die Frauenkirche, Prolog des Christkinds

Der Nürnberger Christkindlesmarkt - Blick auf die Frauenkirche, Prolog des Christkinds (1970). (Stadtarchiv Nürnberg A 55/IV Nr. 8-8-5)

So flüchtig, wie es scheint, in seiner kurzen Pracht,

Ist doch von Ewigkeit. Mein Markt bleibt immer jung,

Solang es Nürnberg gibt und die Erinnerung,

Solang die Kinder glücklich durch meinen Markt noch geh’n,

Solang die Weihnachtssterne über diesem Platz hier stehn.

 

Und dieser alte Platz, ein neuer ist’s zugleich,

Wie aus dem alten Stamm aufwächst ein junger Zweig,

Erinnerung ist schön. Was alt und edel war,

Steht, wo es immer stand: der edlen Türme Schar

Und ihr Geläut; manch altes Haus darin

Vergangene Zeit gerann, ihr Leben und ihr Sinn.

Doch wenn das Häuserrund sich um Euch jetzt neu reiht,

So wird der Platz zum Denkmal und Zeichen dieser Zeit.

Was sie an eigner Form erdacht hat und erbaut:

Hier steht’s mit Altem sacht vereint und kündet laut:

So lang der Platz auch steht, er ist nicht starr und alt

Blieb auch sein Wesen gleich, er wechselt die Gestalt.

 

Am Saum des Jahres naht nun bald der Tag,

An dem man selbst sich wünschen und andern schenken mag.

Und leuchtet der Markt im Licht weit und breit,

Schmuck, Kugeln und selige Weihnachtszeit,

Dann vergesst nicht, Ihr Herrn und Frau’n und bedenkt:

Wer alles hat, der braucht nichts geschenkt.

Die Kinder der Welt und die armen Leut,

Die wissen am besten, was Schenken bedeut’t.

 

Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart,

Seid es heut wieder; freut Euch in ihrer Art.

Das Christkind lädt zu seinem Markte ein,

Und wer da kommt, der soll willkommen sein.

 

 Friedrich Bröger

 

Prolog des Christkindes 2015

 

Einladung / Programm zum Christkindlesmarkt 1965

Einladung / Programm zum Christkindlesmarkt 1965. (Stadtarchiv Nürnberg C 29 Nr. 722)

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