Plakat zu den städtischen Jubiläumsveranstaltungen zum 200. Jahrestag der Ankunft Hegels in Nürnberg 1808, 2008. (Stadtarchiv Nürnberg A 28 Nr. 2008/146 Format II)

Plakat zu den städtischen Jubiläumsveranstaltungen zum 200. Jahrestag der Ankunft Hegels in Nürnberg 1808, 2008. (Stadtarchiv Nürnberg A 28 Nr. 2008/146 Format II)

Am 17. März 1791, vor 225 Jahren, wurde Marie Helena Susanna Tucher von Simmelsdorf als älteste von vier Töchtern und drei Söhnen des Jobst Wilhelm Karl Tucher von Simmelsdorf (1762-1813) und der Susanna Maria (1769-1832), Tochter des Johann Sigmund IV. Haller von Hallerstein (1756-1820), geboren. Maries Vater war 1790 als 40. und zugleich letztes Mitglied der bekannten Patrizierfamilie in den Kleineren Rat der Reichsstadt Nürnberg gewählt worden. 1802/03 vertrat er als Gesandter seine Vaterstadt auf dem Reichstag in Regensburg, jenem Reichstag, der mit dem „Reichsdeputationshauptschluss“ die Säkularisierung der geistlichen Territorien und die Mediatisierung der meisten Reichsstädte beschloss. Nürnberg blieb damals bekanntlich noch für etwas mehr als drei Jahre verschont. Nach Nürnbergs Annexion durch das Haus Wittelsbach 1806 wurde Jobst Wilhelm Karl Tucher 1811 zu einem der drei patrizischen Gesandten bestimmt, die in München über das Schicksal der reichsstädtischen Schulden verhandelten.

Als böhmischer Lehensvasall reiste Jobst 1791/92 in Vertretung des Simmelsdorfer Residenten Johann Georg von Tucher nach Prag zur Krönung Kaiser Leopolds II. zum böhmischen König. In ähnlicher Funktion nahm er 1792 und 1801 die Parsberg-Schönbornschen Lehen der Familie an. In den Jahren 1810-1812 verwaltete Jobst Wilhelm Karl als Vormund für Carl Winkler von Mohrenfels dessen Kondominat Hemhofen bei Erlangen. 1813 verstarb Maries Vater Jobst Wilhelm Karl Tucher von Simmelsdorf im Alter von 51 Jahren.

Notiz des Jobst Wilhelm Karl von Tucher zur Bewerbung des Philosophen und Gymnasialrektors Dr. Georg Wilhelm Friedrich Hegel um die Hand seiner Tochter Maria Helena Susanna, 1811. (Stadtarchiv Nürnberg E 29/II Nr. 372)

Notiz des Jobst Wilhelm Karl von Tucher zur Bewerbung des Philosophen und Gymnasialrektors Dr. Georg Wilhelm Friedrich Hegel um die Hand seiner Tochter Maria Helena Susanna, 1811. (Stadtarchiv Nürnberg E 29/II Nr. 372)

Was macht nun Marie Helena Susanna von Tucher so bedeutend, dass ihr ein Blogbeitrag des Stadtarchivs Nürnberg gewidmet wird? Es ist ihre Eheverbindung mit dem Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel. Dieser ließ Anfang April 1811 durch Herrn von Grundherr bei Maries Vater um ihre Hand anhalten, am 8. April wandte er sich mit demselben Wunsch direkt an seinen künftigen Schwiegervater.

 

 

Zeugnis Georg Wilhelm Friedrich Hegels als Rektor des Nürnberger Gymnasiums für den Schüler Georg Wolfgang Karl Lochner (Stadtarchiv Nürnberg E 1/1000 Nr. 12)

Zeugnis Georg Wilhelm Friedrich Hegels als Rektor des Nürnberger Gymnasiums für den Schüler Georg Wolfgang Karl Lochner (Stadtarchiv Nürnberg E 1/1000 Nr. 12)

Kennengelernt hatte Hegel seine spätere Frau wohl im Hause des Marktadjunkten Paul Wolfgang Merkel (1756-1820), wo sowohl Hegel als auch Marie und ihre Familie regen Zutritt hatten. Maries Eltern waren zunächst alles andere als erfreut: Hegel, geboren am 27. August 1770 war über zwanzig Jahre älter als ihre Tochter, kein Franke, geschweige denn ein Nürnberger Patriziersohn, finanziell immer klamm und hatte obendrein einen unehelichen Sohn zu versorgen, den er 1807 mit der Frau seines Hauswirts in Jena gezeugt hatte. Andererseits war Hegel seit 1808 Rektor am Nürnberger Egidiengymnasium und genoss als Theologe und Philosoph bereits einen gewissen Ruf auch jenseits der Nürnberger Stadtmauern. Allen Widrigkeiten zum Trotz heirateten die beiden am 15. September 1811 in der Nürnberger Heilig-Geist-Kirche.

Alle Quellen – es liegen allein über 200 Briefe im Stadtarchiv Nürnberg (Bestandssignatur E 29/II) vor, die Marie Hegel mit ihrer Mutter, Susanna von Tucher, geb. von Haller, wechselte – belegen, dass die 1811 eingegangene Verbindung eine Liebesheirat war. So zog Marie Helena Susanna Hegel 1816 mit ihrem Mann nach Heidelberg und folgte ihm 1818 nach Berlin, wo sie auch nach Hegels Tod im Jahr 1831 wohnen blieb.

 

Bildergalerie eines Briefes von Wilhelm Friedrich Hegel vom 24.12.1815 an seinen Schwager Johann Siegmund Karl Tucher, mit Konzept des Antwortschreibens Tuchers auf den leeren Flächen des Briefs:

 

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