Mord auf dem Johannisfriedhof!

Am 3. Dezember 1787 wurde der Totengräbersknecht Carl Gottlob Langfritz bestialisch ermordet und erst am 7. Dezember aufgefunden. Sein Mörder war der 22 Jahre alte Totengräbersgehilfe Johann Philipp Feigel, der sich durch den Mord versprach, Langfritz‘ Stellung als Oberknecht des Totengräbermeisters inzunehmen, dem Meister nachzufolgen und dadurch seine finanzielle Lage aufzubessern – um heiraten zu können. Als der Familienvater Langfritz sich mittags kurz zur Ruhe legte, überfiel Feigel ihn.

Zu der Tat selbst, den Ermittlungen und zum Prozess existiert ein umfangreicher Akt des reichsstädtischen Schöffenamtes aus den Jahren 1787 bis 1789. Dieser Akt enthält nicht nur das Beichtprotokoll des Mörders, angefertigt vom Sebalder Pfarrherrn Johann Ferdinand Roth (1748–1814), zahlreiche Verhörprotokolle und wichtige Schriftstücke, die den Fall erhellen sollten, sondern auch vier Asservate.

Asservate aus der Ermittlungsakte 1787/88

Asservate aus der Ermittlungsakte 1787/88 (Stadtarchiv Nürnberg B 13 Nr. 947).

Sie machen die brutale, aber auch stümperhafte Mordtat besonders anschaulich. Es handelt sich zum einen um eine – wohl durch Schuss in Boden oder Wand – stark verformte Bleikugel. Dreimal hatte Feigel den Verhören nach versucht, den schlafenden Langfritz aus einer Distanz von ca. 20 cm zu erschießen – jedes Mal erfolglos! Als sein Opfer durch den Lärm erwachte und fliehen wollte, erschlug er es. Zum anderen sind drei Stücke Stoff aus Leinen und Wolle erhalten, mit denen Feigel den Schall der Schüsse zu dämpfen versuchte. Die Stoffe weisen deutliche Schmauchspuren, Durchschussspuren und in einem Fall auch Blutspritzer auf.

Flugblatt zum Mord an dem Totengräbersknecht

Flugblatt zum Mord an dem Totengräbersknecht
Carl Gottlob Langfritz 1787/88 (Stadtarchiv Nürnberg A 7/II Nr. 798).

Aus dem, was von den schöffenamtlichen Ermittlungen nach außen drang, wurden Flugblätter und mindestens eine Druckschrift mit einer langen Dichtung zur Mordtat herausgegeben (StadtAN A 7/II Nr. 798– 800). Immer detaillierter und reißerischer wurden dabei die Darstellungen der Mordwerkzeuge und der Tat. Im Gedicht etwa (StadtAN A 7/II Nr. 800) heißt es über das Martyrium des Mordopfers, das im Totengräbershaus im damaligen südöstlichen Eck des Johannisfriedhofs stattfand:

Niemand war da um solche Zeit,
obgleich Langfritz um Hülfe schreyt;
drauf nahmen Feugels Tieger-Hände
die Todengräbers Instrumente,
stach, haute, schlug auf Langfritz ein,
und konnt doch kaum sein mächtig seyn;
bis endlich durch die lange Wuth
des Feugels, Langfritz sich verblut,
vor Schmerzen kaum mehr reden kunnt,
so würgt er ihn, drey Viertel-Stund.
Der Mörder grub ein enges Loch,
und scharrt ihn drein lebendig noch.

Das Opfer flehte vergeblich um Gnade. Das Gedicht schildert im Anschluss das freche Auftreten des Mörders bei der Suche nach Langfritz und die Verzweiflung der hinterbliebenen Ehefrau. Der Tote soll ihr schließlich im Traum verraten haben, wo seine Leiche zu finden sei. Vier Tage nach der Tat wurde er aufgefunden und in der Kaserne obduziert.

Der endlich geständige Mörder Johann Philipp Feigel wurde zum Tode verurteilt. Am 18. März 1788 wurden an ihm Enthauptung und Rädern vollstreckt. Auch zu dieser Hinrichtung kursierte in Nürnberg ein Flugblatt, das den Betrachter ermahnte: Es bleibt nicht ungestrafft das was man bös’ getan (StadtAN A 7/I Nr. 4810).

Flugblatt zur Hinrichtung Johann Philipp Feigels

Flugblatt zur Hinrichtung Johann Philipp Feigels 1787/88 (Stadtarchiv Nürnberg A 7/I Nr. 4810).

Lit.: Bößenecker, Tod und Kriminalität, S. 15–40.

 

Ausstellungskatalog Bd. 26

Titelblatt des Ausstellungskataloges

Der Beitrag ist eine Leseprobe aus dem im Oktober 2018 erschienenen Katalog zur Ausstellung "Hingeht die Zeit, herkommt der Todt - 500 Jahre Johannis- und Rochusfriedhof" (S. 148-150). Die Ausstellung beleuchtet sowohl die Geschichte und Entwicklung des Johannis- und Rochusfriedhofs, als auch Aspekte der Begräbniskultur in Nürnberg. Im Abschnitt Tod und Sensation - dem der Artikel "Mord auf dem Johannisfriedhof!" zugeordnet ist - kommen Beispiele dafür in den Blick, dass Friedhöfe, und somit auch die beiden historischen Friedhöfe Nürnbergs, mehr waren und sind als Orte der Totenbestattung, der Trauer und Ruhe. Ein wenig Grusel, ein wenig Promikult und schließlich der Tourismus - gehören eben auch mit dazu.

Die Ausstellung wird Ihnen vom 25. Oktober 2018 bis zum 8. März 2019 im Kleinen Foyer des Stadtarchiv Nürnbergs präsentiert. Den begleitenden Katalog können Sie im Stadtarchiv Nürnberg für 19,80 € erwerben.

Weitere Informationen zur Ausstellung "Hingeht die Zeit, herkommt der Todt"

Weitere Informationen zum Begleitband und Online-Bestellformular

Auch im Heft Norica 14 finden Sie weitere Informationen zur Begräbniskultur in Nürnberg. Diese können Sie für 4,50 € ebenfalls im Stadtarchiv erwerben.

Weitere Informationen zur Norica 14 und Online-Bestellformular

Kommentieren