Wie das Siechenbier zu seinem Namen kam

Reklame der Brauerei J. G. Reif für ihr Siechenbier. Postkarte, 1910 (Stadtarchiv Nürnberg A 34 Nr. 3856)

Reklame der Brauerei J. G. Reif für ihr Siechenbier. Postkarte, 1910 (Stadtarchiv Nürnberg A 34 Nr. 3856)

Das Siechenbier ist bis heute eines der verbreitetsten und bekanntesten Nürnberger Biere. Es handelt sich dabei um ein „klassisches“ Exportbier der Reif’schen Brauerei. Doch woher kommt der Name „Siechenbier“? Hier hilft zunächst ein Blick nach Stettin. Dort wurde das Reif-Bier jahrelang unter dem Namen „Das Luftdichte“ verkauft. Das lag nicht an der Beschaffenheit oder Verpackung des Bieres, sondern kam von der Gaststätte, wo es ausgeschenkt wurde. Diese hieß ganz einfach „Luftdichte“. Wie war das nun mit dem Siechenbier? Auch dieses erhielt seinen Namen von dem Wirt, der es ausschenkte – und zwar in Berlin! Es war in den 1870er und 1880er Jahren nicht unüblich, Bier unter dem Namen der Gaststätte, des Wirtes oder des Verlegers zu verkaufen, der das Bier ausschenkte. Johann Georg Reif exportierte sein Bier an eine Gaststätte, die vom Wirt Franz Siechen geführt und unter dessen Namen es auch verkauft wurde. Aufgrund des großen Erfolges von „Siechenbier“ wurde dieser Name von der Nürnberger Brauerei übernommen. Danach gab es auch in Hamburg und Leipzig einige „Bierhäuser Siechen“, die das Reif-Bier unter diesem Namen verkauften. Obwohl es früher üblich war, Bier unter dem Namen des Wirtes oder der Gaststätte zu verkaufen, blieb es jedoch einmalig, dass der Name eines Kunden die spätere Benennung eines weltberühmten Exportbieres war. Und wer kann schon von sich behaupten, dass ein Bier nach ihm benannt wurde?

 

Auf den Geschmack gekommen? Weitere spannende Artikel zum Schwerpunktthema Bier in Nürnberg, u. a. zum Bierexport, Bier im Wandel und alkoholischen Getränken im reichsstädtischen Nürnberg, finden Sie in unserer Zeitschrift NORICA. Berichte und Themen aus dem Stadtarchiv Nürnberg, Nr. 12. Die Zeitschrift ist zum Preis von 4,50 EUR beim Stadtarchiv Nürnberg sowie im Buchhandel (ISSN 1861-8847) erhältlich.

Bierversand im Königreich Bayern, Statistische Angaben bei Jochen Sprotte: von 1303/1905 bis zum Jahr 2005: 100 Jahre Nürnberger Bier - 700 Jahre Nürnberger Brautradition - 333 Jahre Tucherbräu, Nürnberg, in: Gesellschaft für für Geschichte des Brauwesens e. V. (GGB), Jahrbuch 2005, S. 78-131 (Grafik Julia Kraus)

Bierversand im Königreich Bayern, Statistische Angaben bei Jochen Sprotte: von 1303/1905 bis zum Jahr 2005: 100 Jahre Nürnberger Bier - 700 Jahre Nürnberger Brautradition - 333 Jahre Tucher-Bräu, Nürnberg, in: Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e. V. (GGB), Jahrbuch 2005, S. 78-131 (Grafik Julia Kraus)

1 Kommentar

  1. Jens Andrasch 3 Oktober, 2017 at 17:05 Antworten

    Liebe Frau Kambach,
    eine recht unterhaltsame Geschichte zur Namensgebung des Siechenbieres. Auch in Rostock hat es zwischen 1930 und 1942 (Totalverlust nach Sprengbombenvolltreffern) ein „Bierhaus Siechen“ gegeben. Es befand sich in der Johannisstraße 2/3. Ich beschäftge mich seit sehr vielen Jahren mit der Rostocker Brauerei- und Gastronomiegeschichte. Daher habe ich auch einige Belege in meinem Archiv. Beispielsweise: drei Innenfotos, Annoncen, das Deckblatt einer Speisekarte, die Außenwerbung in einer Parallelstraße, einen Bieruntersetzer und dergleichen. (Dies ist kein Veräußerungsangebot!!! – lediglich weiterführend-helfend) Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte für Sie. Genau im Nebenhaus – Johannisstraße 4 – residierte zwischen 1923 und 1933 die schlagende studentische Verbindung „Corps Visigothia“ (seit 1991 wieder in Rostock ansässig). Ein Bierhaus in direkter Nachbarschaft war wohl nicht ganz ungefährlich für durstige studentische Kehlen.
    Mit freundlichem Gruß
    Jens Andrasch aus Rostock

Kommentieren